Katharina Tillmanns, Filmemacherin aus Köln, wird einen Dokumentarfilm über das Projekt „Idiotenfriedhof“ drehen. Ich war mit ihr zur Motivbesichtigung in Marsberg. Wir besuchen den Friedhof. Ein Spaziergänger führt seinen Hund aus. Wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle vom Mahnmal für die ermordeten Kinder in der Anstalt. Er: „Aber HIER gabs doch sowas nicht“. Ich sage ihm, was ich weiß über die „Kinderfachabteilung“ hier in der Klinik, dass Nazi-Ärzte Kinder umgebracht haben, 1941/42.
Er regt sich auf, weil das Grab eines Bekannten seit einem Jahr nicht fertiggestellt ist. Als er sieht, dass Katharina filmt, sorgt er sich: „Das ist aber ohne Ton – oder?“ Weil nämlich seine Frau in der Klinik arbeitet. Er möchte nicht, dass sie Ärger kriegt.
Später besuchen wir auch den Friedhof der anderen Anstalt, Erwachsenen-Psychiatrie. Der Friedhof ist sehr ungepflegt, fast schon verwahrlost. Einige Treppen sind kaum begehbar, die Stufen von Laub und Ästen eingeebnet.
Ich besuche später noch einen dritten Friedhof: den „normalen“ städtischen. Hier gibt es Soldatengräber, sie sind gut gepflegt und aufgeräumt. Ich mache Fotos. Später beim Durchsehen meiner Bilder fällt mir bei den Soldatengräbern ein Name auf: Sengenhoff. Ich kenne den Namen von meinen Recherchen zum Projekt. Dr. Sengenhoff war 1941/42 der Leiter der Kinderfachabteilung in der Marsberger Klinik. Die Leute in Marsberg nannten ihn „Dr. Sensenhoff“.