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2013, 35 Min.

Sechs junge Menschen arbeiten eine Woche lang am Stein, unter Anleitung der Bildhauerin Astrid Raimann. Die Aufgabe: Finde deine Form. Wir sehen sie bei der Arbeit und erfahren, was sie dabei bewegt, wie sie zu ihrer Form kommen.

In den Arbeitspausen sprechen sie über die Schule, über Freunde, über ihre Interessen und Pläne, über ihre Familie. Sie sprechen auch über den Klinikalltag. Und warum sie hier sind: in der Psychiatrie.

Dies ist der 11. von Künstler_innen angeleitete Workshops für junge Patient_innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, den KUNST IN DER KLINIK e.V. jedes Jahr in den Sommerferien organisiert. Es ist die 2. Steinbildhauerwerkstatt, davor gab es einen Videoworkshop, eine Comicwerkstatt, Marionettenbau und –Spiel, 2x Kreatives Schreiben/Theaterimprovisation und 4x Malerei.

Der Film zeigt die Arbeit im Workshop 2013, interviewt die Teilnehmer_innen und die Leiterion und beleuchtet den Hintergrund des Projekts: KUNST IN DER KLINIK ist Teil des Projekts „Idiotenfriedhof“, ein lebendiges, auf die Zukunft gerichtetes Mahnmal für die behinderten und psychisch kranken Kinder, die  im Rahmen der Kinder–„Euthanasie“–Aktion von NS-Ärzten umgebracht worden sind.

Diesen Film kann man  über das Kontaktformular bestellen. Er kostet 12 €.

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Eine Fülle von Texten ist in dieser Woche entstanden: kurze Texte, konzentriert wie Gedichte, lange Texte, Steckbriefe, gemeinsam geschriebene Assoziationsketten und –brücken, lustige Texte und schwere Texte. Sookee und die Teilnehmerinnen des Workshops „Kreatives Schreiben“ haben die Texte an Stellwände gehängt, auf den Boden geklebt, in die Luft gehängt – und vorgetragen. Alle Texte waren anonymisiert, es war nicht zu erkennen, wer was geschrieben hatte. Außerdem gab es ein Zeichensystem, mit dem jeder Besucher entscheiden konnte, z.B. schwere Texte zu lesen oder nicht. Respekt, Rücksicht, Schutz und Selbstschutz waren immer wieder Thema in dieser Woche.

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Es gab eine

  • Sammlung schöner Worte: Himmelsrand, Eichhörnchen!! Feuer, Liebe, Melancholie, Pudding, Kekse, Wort, Schmetterling, Regenbogen, Eleganz, Mut, Hinterland, Glück, Magie, Karibik, Traum, Pups, Schokolade, Melodie, wundervoll, Traum, Weise, Neon, Einhorn, Erdbeere, Himmel, Sommer

und eine

  • Sammlung doofer, hässlicher, nicht so schöner Worte: Egoismus, Bild, Durchfall, Tür, Krätze, Physik, Bombe, Zuckerwatte, Punkt, Pappe, Stuhl, Platte, paradox, Matte, Denken, Stolzzzzz, Motte, Lichtschalter, Mathe, Blatt, KKK, hysterisch, Kontakt, Gymnasium

und noch eine

  • Sammlung missverständlicher, unklarer, schwieriger, Fragezeichen-aufgebender Worte

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  • Man konnte hören und lesen, was der Regen sagen würde, wenn er zu uns sprechen könnte.
  • Wir hörten, dass die depressive Katze, die noch dazu eine psychosomatische Störung hat und heute keine Maus gefangen hat, lernen muss, dass sie Fehler machen darf und dass man im Leben nicht alles haben kann.
  • Wir hörten das Gedicht vom Krümelkeks, der allein und ohne Freunde im Gemüsebeet lebte.
  • Eine liebevoll – bewundernde – kritisch / weise Ansprache der Erde an ein „Du“.
  • Wir hörten und lasen, was heute alles nicht gemacht wurde,
  • und einen Versuch über die Frage, was Liebe ist.
  • Erstaunliche Weisheiten ergaben sich aus absurden Fließtexten nach dem Muster von Onkel Otto in der Badewanne („Friedliche Menschen müssten mehr Mist machen als die anderen.“ „Gute Nachrichten kommen gediegen aus dem TV.“ „Tanz mit mir, möglichst lange im Gewitter.“)
  • Außerdem: Gedanken darüber, was eigentlich ein Text ist,
  • eine Sammlung: „Dinge, die ich in den letzten Jahren über das Mädchen/Frau sein gelernt habe“,
  • außerdem darüber, was gut und nicht so gut ist für Kreativität.
  • Es gab eine Geschichte ohne Happy end im Regen,
  • ein Selbstporträt als Künstlerin,
  • einen Brief an sich selbst („Liebes Ich“)
  • und Kurztexte, konzentriert wie Prosagedichte, die unter die Haut gingen.
  • Jede Teilnehmerin hat einen Steckbrief gestaltet – so unterschiedlich wie das Leben selbst. Rubriken u.a.: `wichtigste Charaktereigenschaft´, `schönste Beobachtung in der Natur´, `größter Lebenstraum´, `Lieblingskörperteil´, `das Wichtigste überhaupt´.

Das Publikum war sehr beeindruckt.

Kennt Ihr Sookee?

Sookee (“Quing of Berlin”) ist Rapperin und ziemlich bekannt in der Szene. Rap: Text und Rhythmus, Körper und Wut. Und Spaß. Gewalt- und Machterfahrungen, Identitäts- und Geschlechterrollenfragen umzusetzen in Worte und Rhythmus: Das ist genau das Richtige für die Patient_innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, dachte ich, als ich in einem ZEIT-Interview mit Sookee las, dass sie Workshops für Jugendliche macht.

Eigentlich können wir uns ihr Honorar nicht leisten. Ich habe ihr trotzdem geschrieben und ihr ausführlich unser Projekt vorgestellt. Und: Sie machts!

Im Sommer 2013 habe ich ehrenamtlich Steinbildhauerei angeboten, weil nicht genug auf dem Konto war, um eine_n externe_n Künstler_in angemessen bezahlen zu können. Inzwischen stehen wir wieder besser da. Der Wunsch meiner Mutter zu ihrem 90. Geburtstag: `Spenden für KUNST IN DER KLINIK´ hat sehr geholfen.

Wir danken euch ganz herzlich für eure Unterstützung. Eure Spenden machen es möglich, dass es weitergehen kann mit den Workshops von KUNST IN DER KLINIK.

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Fünf Tage, sechs junge Patienten und Patientinnen aus 5 psychiatrischen Stationen, zehn Formen sind entstanden. Die Aufgabe: Finde deine Form.

Diese Rohlinge (Sandstein und ein Kalkstein) waren bis auf zwei alle quaderförmig. Sie waren behauen, um in ein Mauerwerk eingebaut zu werden, wurden aber aussortiert, weil sie alle irgendeine Macke haben: Risse, Löcher, Schwachstellen, Bruchstellen, Brüche. Diese Besonderheiten wurden bei einigen der Arbeiten zum Ausgangspunkt für die Gestaltung.

Bei einem Stein gab es z.B. eine dunklere Stelle, ein Loch, das zuerst nicht zum ursprünglichen Plan passte. Aber dann erkannte der Teilnehmer: das ist ja ein Auge! Ein Kopf. Ein zweites Auge kam dazu – leider ein Totenkopf. Und dann die Überraschung: Sobald der Mund ausgearbeitet war, wurde der Kopf lebendig! Und fing an zu sprechen. Der Kopf bekam später noch einen Körper, die ganze Figur einen Hintergrund, der zeigt, wo das Wesen herkommt.

Dann: Eine natürliche dunkle Einkerbung wurde erweitert zum „Flusstal“, das Wasser bekam mit einem Durchbruch noch einen Überlauf. Und dann stellte der Teilnehmer diese Flusslandschaft auf ein Gewölbe, das an Stonehenge erinnert, dieses geheimnisvolle Menschenwunder aus uralten Zeiten. Der rechteckige, massive Quader wurde auf einmal leicht und denkt sich im Kopf weiter. 

Ein anderer Stein war eine Herausforderung. Er hatte mehr Löcher, Risse, Quarzadern und Schwachstellen als alle anderen. Er ist beim Arbeiten zerbrochen – er war vorher fast doppelt so hoch. Aber der Teilnehmer hat nicht aufgegeben. Er hat die rechteckige stabile Basis stehen gelassen und angefangen, darüber etwas Rundes zu arbeiten, das in dem Eckigen versinkt.

Ein Herz: eine farbige Linie im Stein war vorher nicht zu sehen, sie kam erst beim Arbeiten heraus. Und schmiegt sich jetzt so harmonisch an die Form, als hätte man sie gemalt. Ein Herz, das aufrecht steht und sich zeigt. Eine starke Form.

Es gab eine weitere Überraschung, aber nicht vom Stein. Als wir uns gestern gemeinsam angesehen haben, was jeder so gemacht hat, fiel einem der Teilnehmer auf, dass diese Form, die eine Kugel werden will, Strahlen hat. Beim Arbeiten, durch das Arbeiten entstanden, ohne Absicht und unbemerkt. Der Plan war nur gewesen, aus dem Eckigen etwas Rundes zu machen.

Dann hatten wir einen VW-Bus. Ich habe den Teilnehmern mehrmals gesagt, sie sollten sich besser nicht zu filigrane Formen vornehmen, weil der Sandstein grob und bröckelig ist und es Enttäuschungen geben kann. Und dann schlägt dieser Teilnehmer einen fast realistischen Unterboden aus dem Stein! So vorsichtig und akkurat, dass schmale Stoßstangen und feine Formen möglich werden.

Bei einigen Teilnehmern ging es nach dem ersten Stein noch weiter. Einer griff vom ersten Stein das Thema Positiv- Negativ – Form auf und führte es weiter – und fand bei einer dritten Form noch einmal einen neuen Dreh für das Thema. 

Jeder Teilnehmer hat seine Form gefunden, erkennbar. Einige sind noch im Werden. Und jeder hat seine ganz eigene Form gefunden. Sehr individuell, sehr eigenwillig, ganz interessante Ideen und sehr ausdrucksstark. Sie waren sehr stolz auf ihre Arbeit. 

Es gab in dieser Woche noch etwas Besonderes. Bildhauerei ist Einzelarbeit, man arbeitet für sich, jeder an seinem Tisch, jeder an seinem Stein. Diese 4 Jungen und 2 Mädchen, die sich bis auf 2 vorher nicht kannten, sind in diesen Tagen zur Gruppe geworden. 

Es war sehr berührend, wie diese jungen Menschen miteinander umgingen. Wie sie sich morgens begrüßten, nach der Nacht fragten und wie es dem anderen ging. Wie sie sich interessierten für die Arbeit des Anderen. Wie sie sich auch gegenseitig Mut machten und von ihrem eigenen schweren Weg, auch von guten Erfahrungen berichteten. 

Das hat auch mit der Arbeit und der Haltung der Menschen zu tun, die in dieser Klinik arbeiten.

Die Klinikleitung, Herr Dr. Burchard, Herr Dr. Heinemann haben das Projekt unterstützt. Frau Nüse hat zuverlässig und kongenial organisiert. 

Ich komme in den großen Saal der Westfälischen Klinik. Stühle sind vor der Bühne aufgebaut, einige Besucher sind schon da, Arzu Toker, die Leiterin des diesjährigen Workshops, im Gespräch mit dem Klinikleiter Dr. Burchard. Nathan Raimann, Assistent in diesem Workshop, trägt Getränke für die Gäste zum Tisch am Eingang. Plötzlich horcht Herr Dr. Burchard auf: „Der Klinikleiter ist entführt worden?“ Jetzt hören alle zu, was da über die Lautsprecher die ganze Zeit im Hintergrund angesagt wird. Eine junge Stimme spricht „Nachrichten“. Aus der Klinik. Vermischt mit Sätzen, die aufhorchen lassen, weil sie so absolut nicht zu „Nachrichten“ passen wollen. Wir setzen uns. Begrüßungsansprachen. Dann beginnt die Aufführung. Als der Vorhang sich öffnet, sitzen drei junge Mädchen auf mit Fotos von Klinikgebäuden beklebten quadratischen Kästen. Mit dem Rücken zum Publikum.

Diesen Sommer hatten es die Workshopleiter schwer. Nur fünf Teilnehmer waren angemeldet, eigentlich zu wenig für eine Theateraufführung. Zwei davon hatten gedacht, es würde gemalt, und hatten keine Lust auf Schreiben und Theater. Einer wurde noch dazu gewonnen – er aber hatte auch keine Lust mit zu machen. So blieben drei Teilnehmerinnen, zwischen 14 und 15 Jahre alt, hoch motiviert und unglaublich kreativ.

Die Jugendlichen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Westfälischen Klinik  Marsberg sind nicht umsonst hier. Sie haben zum Teil grauenhafte Dinge erlebt und große Probleme, mit unserem „normalen“ Leben zurecht zu kommen. Die künstlerische Arbeit mit ihnen in den Sommerworkshops ist jedes Mal eine Herausforderung.

Die Texte, die die drei hoch motivierten jungen Frauen sprachen, ließen einige Besucher schlucken. Da gab es Berichte von Gewalterfahrungen, Dialoge von absoluter Lieblosigkeit und Missachtung, Gedichte von Grenzerfahrungen, die man niemandem wünscht. Es gab aber auch sehr viel Hoffnung, sehr viel Mut. Allein der Mut, sich auf die Bühne zu stellen und derart persönliche Texte vor zu tragen, zeugte von so viel persönlicher Power dieser jungen Menschen.

Eine der Teilnehmerinnen sagte, diese Woche habe ihr mehr gebracht als Monate der Therapie.

Was wir daraus hören: Es ist richtig und gut, was wir hier machen mit unserem Projekt „Idiotenfriedhof“ – nicht, weil Therapie überflüssig wäre, das ist sie nicht, sondern weil sie sie ergänzt. Therapie ist notwendig – ein Kunstworkshop ist ein Zusätzliches, ein Geschenk. Anscheinend ein wertvolles.

Wir finanzieren die Workshops ausschließlich aus Spenden. Im letzten Jahr sind zwei großzügige Spender ausgefallen, auch haben wir keine Drittorganisation  zur Unterstützung finden können wie in einigen Jahren zuvor. Deshalb bitten wir Sie: Spenden Sie, sagen Sie weiter, kontaktieren Sie uns.

Hier finden Sie weitere Hintergrundinfo zum Projekt und die Spenden-Seite: www.idiotenfriedhof.de

 Danke.

Katharina Tillmanns, Filmemacherin aus Köln, wird einen Dokumentarfilm über das Projekt “Idiotenfriedhof” drehen. Ich war mit ihr zur Motivbesichtigung in Marsberg. Wir besuchen den Friedhof. Ein Spaziergänger führt seinen Hund aus. Wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle vom Mahnmal für die ermordeten Kinder in der Anstalt. Er: “Aber HIER gabs doch sowas nicht”. Ich sage ihm, was ich weiß über die “Kinderfachabteilung” hier in der Klinik, dass Nazi-Ärzte Kinder umgebracht haben, 1941/42.

Er regt sich auf, weil das Grab eines Bekannten seit einem Jahr nicht fertiggestellt ist. Als er sieht, dass Katharina filmt, sorgt er sich: “Das ist aber ohne Ton – oder?” Weil nämlich seine Frau in der Klinik arbeitet. Er möchte nicht, dass sie Ärger kriegt.

Später besuchen wir auch den Friedhof der anderen Anstalt, Erwachsenen-Psychiatrie. Der Friedhof ist sehr ungepflegt, fast schon verwahrlost. Einige Treppen sind kaum begehbar, die Stufen von Laub und Ästen eingeebnet.

Ich besuche später noch einen dritten Friedhof: den “normalen” städtischen. Hier gibt es Soldatengräber, sie sind gut gepflegt und aufgeräumt. Ich mache Fotos. Später beim Durchsehen meiner Bilder fällt mir bei den Soldatengräbern ein Name auf: Sengenhoff. Ich kenne den Namen von meinen Recherchen zum Projekt. Dr. Sengenhoff war 1941/42 der Leiter der Kinderfachabteilung in der Marsberger Klinik. Die Leute in Marsberg nannten ihn “Dr. Sensenhoff”.

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Das Projekt “Idiotenfriedhof” ist ein Mahnmal für “Euthanasie”-Opfer des St. Johannes Stifts in Marsberg, Westfalen (Heute: Westfälische Klinik Marsberg, Kinder- und Jugendpsychiatrie). Eine Installation am Anstaltsfriedhof, Bredelarer Straße 33, wird ergänzt durch kontinuierliche Projektarbeit mit Patienten der Klinik heute.

Geschichte
Im St. Johannes Stift wurde 1940/1941 eine Kinderfachabteilung vom “Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden” eingerichtet. Von nationalsozialistischen Ärzten und Krankenschwestern wurden hier psychisch kranke und körperlich und geistig behinderte Kinder und Jugendliche getötet. Etwa 50 Gräber auf dem Anstaltsfriedhof an der Bredelarer Straße konnten eindeutig diesen Opfern zugeordnet werden. Weil Informationen über die Kindermorde nach außen gelangten und in der Marsberger Bevölkerung Unruhe entstand, wurde die Fachabteilung 1941 nach Dortmund-Aplerbeck verlegt. (s. Bernd Walter: Die NS-“Kinder-Euthanasie”-Aktion in der Provinz Westfalen, in: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 3/01, S.222 und 215)

Der Name
“Idiotenfriedhof” war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die offizielle Bezeichnung der Klinik. Bis in die 60-er/70-er Jahre des 20. Jahrhunderts war sie selbstverständlicher Sprachgebrauch, ebenso wie “Idiotenfriedhof”. Erst danach, mit der intensiven Diskussion der jüngsten Vergangenheit und der nationalsozialistischen Verbrechen verschwanden die Bezeichnungen. Vom Projekt wird ausdrücklich das diskriminierende Wort aufgegriffen mit dem Ziel, einerseits zu erinnern und bewusst zu machen, was war und was damals selbstverständlich war – und andererseits auf zu zeigen, was sich ändern kann.

Installation am FriedhofKunst für den Friedhof
Ein Deutungsversuch
Ein 3 x 3 m großes schwarzes Quadrat aus 8cm starkem Stahl-Rechteckrohr umrahmt und betont den Eingang zum Friedhof. Er trägt die Inschrift: “Hier und da, 1940 – 2004″. Die von der Bildhauerin Astrid Raimann gestaltete Installation ist im Sinne von Konzeptkunst keine Arbeit, die als Kunstwerk für sich steht, sondern findet ihren Sinn in der Wirkung, die sie auf die Wahrnehmung der Besucher ausübt.

Die Aufmerksamkeit wird auf den Moment des Übergangs gelenkt. Man durchschreitet die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Lebenden und Toten, Gesunden und Kranken, “Normalen” und “Verrückten”, denen die dazugehören und den “Lebensunwerten”.

Im September 2004 wurde die Installation errichtet, in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Paderborn und der Westfälischen Klinik Marsberg.

Kunst für Kinder, lebendiges Mahnmal
Das Besondere an der Gedenkstätte Projekt “Idiotenfriedhof” in Marsberg ist die Koppelung eines künstlerisch gestalteten Mahnmals, der Installation am Friedhof, mit einem kontinuierlichen Projekt mit und für PatientInnen der Klinik (Psychiatrie). Es handelt sich um von Künstlern angeleitete jährlich stattfindnde Workshops (bisher: Steinbildhauerei, Videowerkstatt, Comicwerkstatt, Aquarellmalerei, Marionettenbau und -Spiel, Improvisationstheater und kreatives Schreiben). Das Ziel ist hier, ebenso wie bei der Installation am Friedhof, einen Bewusstseinsprozess an zu stoßen. Den jungen Patienten werden von Künstlern Mittel an die Hand gegeben, mit deren Hilfe sie ihre Befindlichkeit in einer extremen Lebenssituation ausdrücken können. Indem sie sich mit den Ergebnissen einem Publikum vorstellen, sollen sie den “Wert” ihrer eigenen Sicht der Welt erleben. Ziel der Workshops und der Präsentation in der Öffentlichkeit ist es, auf der Seite des Publikums Vorurteile und Berührungsangst vor Psychiatrie und psychischer Krankheit ab zu bauen.

aquarellworkshop 2006

Die Workshops werden organisiert vom Verein Kunst in der Klinik e.V. und durch Spenden getragen.

mehr:www.idiotenfriedhof.de

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